EVANGELISCHER PFARRSPRENGEL GLÖWEN-SCHÖNHAGEN
Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob

Grußwort

 Wann wird es Weihnachten ?

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes!
 
 
 1. Ein Weihnachtslied aus Haiti antwortet auf diese Frage: „Es ist Weihnachten,
wenn die Menschen bereit sind für das Fest. Wenn die Menschen sich die Hände zur Versöhnung reichen, wenn der Fremde aufgenommen, wenn einer dem anderen hilft, das Böse zu meiden
und das Gute zu tun, 
dann ist Weihnachten.
Weihnachten 
heißt die Tränen trocknen, das, was du hast, mit den anderen zu teilen. Jedesmal
wenn die Not eines Unglücklichen gemildert ist, wird Weihnachten. Jeder Tag ist Weihnachten
auf der Erde, 
jedesmal wenn einer dem anderen Liebe schenkt, wenn Herzen zufrieden
und glücklich sind, ist Weihnachten, dann steigt Gott wieder vom Himmel herab und bringt das Licht.“
2. Mein Erlebnis aus Kindertagen als Antwort lautet: Ich mochte wohl 15 oder 16 Jahre alt gewesen sein, als meine Eltern mich am Morgen des Weihnachtstages losschickten, mit einer Weihnachtstüte unter dem Arm, zu einer alten Frau, die in einem Flüchtlingsheim angekommen war.
Wohl hatte ich nicht große Lust zu gehen, überwand mich aber dann doch, wobei elterliches Zureden seine hohe Kunst und ein enormes pädagogisches Einfühlungsvermögen entfaltet haben müssen,
zog die Jacke an, ging 
los, fand das Haus, trat hinein, den langen Gang entlang, suchte und fand die
Tür, klopfte, hörte ein „Herein!“ und öffnete. Das Zimmer war leer! Mich umblickend, an das
dämmrige Licht 
gewöhnend, noch den Türgriff in der Hand suchte ich zunächst vergebens,
wo dieses „Herein!“ hergekommen sein mochte. Zuletzt ein Blick hinter die Tür, in die Ecke:
ein Stuhl dort, und 
darauf zusammengekauert, den Kopf mir zugewandt, mit großen,
unbeschreibbaren 
Augen, da saß sie, mit ihren großen unbeschreibbaren Überraschungsaugen
und schaute mich an. „Ich wollte Ihnen … von meinen Eltern .. zu Weihnachten .. übergeben
.. diese Tüte hier .. und einen herzlichen Gruß soll ich Ihnen sagen.“ Mit solchen oder ähnlich stammelnden Worten muss ich ihr wohl damals diese Tüte überreicht haben .. wobei ihre
Augen anfingen zu leuchten und zu strahlen, gerade als ob Weihnachten wäre.
Oder ich denke an die Augen 
des jungen Mannes, den wir in Ungarn um Mitternacht im
strömenden 
Regen auf der Landstraße im Wagen mitnahmen.
Oder die Augen des Obdachlosen, 
als er auf der Straße etwas zu essen bekam, oder wie …
„Jeder 
Tag ist Weihnachten auf der Erde, jedesmal wenn …“ sagt das Lied aus Haiti. 
3. Die Antwort der Weihnachtsdarstellung der heiligen Familie, eine Holzschnitzerei
aus den Philippinen, verbindet Lied und Weihnachtserlebnis:
Von warmen Sonnenstrahlen umflutet, in den beschützenden Armen der Mutter gewiegt,
von liebevollen und 
dankbaren Blicken und Gesten der jungen Eltern behütet - ihr
neugeborenes 
Kind. Die kleine Familie erweckt in uns das Gefühl, in das Geschehen
mit eingebunden zu sein: Nichts kann diese innige Verbundenheit der drei stören - und
nichts kann auch uns 
trennen von der Liebe Gottes. Schauen wir auf Maria, Josef und Jesus,
so 
erkennen wir auch ohne Worte, dass sie aus einem Holz geschnitzt sind
- Jesus, Gottes Sohn, kommt zu uns Menschen und wird ganz Mensch:   Weihnachten.
Auch wir hoffen auf ein 
friedvolles Miteinander in diesem und im Neuen Jahr, in der Familie, unter
Freunden und Nachbarn, in der Gemeinde, in Schule und auf Arbeit, nicht zuletzt in unserm Land,
ja „Friede auf 
Erden“. Lassen wir uns anstecken von der Liebe und Geborgenheit, die wir
auf unserem Weihnachtsbild entdecken können.

So grüße ich Sie und Euch alle sehr herzlich mit den Worten der Jahreslosung
für 2019: „Suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34, Vers 15).      Ihr H. Menn